Das Fragment eines Trägerrocks aus Haithabu hat über dem Abnäher eine Zierflechte aus sechs Fäden in rot und gelb aufgenäht. Im Buch “Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu” von Inga Hägg ist die Zierflechte als Schwarz-Weiß-Fotografie und als Rekonstruktionszeichnung zu sehen. Für Bines Trägerrock will ich Zierflechten haben, und so hab ich mich ein wenig mit dem Thema “Flechten mit sechs Strängen” beschäftigt.
Im Internet gibt es unterschiedliche Anleitungen zum Flechten mit sechs Fäden, ich habe einige ausprobiert und das jeweilige Ergebnis mit der Zeichnung im Buch verglichen. Leider sah keines meiner Experimente auch nur annähern aus wie das im Buch.
Also hab ich versucht anhand der Zeichnung im Buch von selbst auf die Flechtart zu kommen. Zuerst hab ich selbst auf Papier Skizzen gezeichnet und dann mit einer dicken Schnur herumexperimentiert. Am Ende des Nachmittags konnte ich dann ein Muster flechten, das wie die Zeichnung im Buch aussieht.
Das nächste Problem sind die Farben. Auf der Zeichnung im Buch ist leider nicht eingetragen welche die drei gelben und welche die drei roten Fäden sind. Also hab ich zwei Möglichkeiten ausprobiert (mit drei roten und drei grauen Strängen): Am Anfang alle Fäden einer Farbe auf jeder Seite und am Anfang immer abwechselnd rot und grau. Versuch Eins schaut komisch aus, Versuch Zwei gefällt mir so gut dass ich keine weiteren Möglichkeiten probiert habe.
Das Muster ist sehr einfach zu flechten: Man fängt mit drei Fäden auf jeder Seite an, die Farben jeweils abwechselnd.
1. Den Faden ganz rechts über die anderen beiden rechten Fäden in die Mitte legen
2. Den Faden ganz links unter die anderen beiden linken Fäden und über den gerade von rechts herüber gelegten Faden legen.
3. Etwas anziehen und wieder mit dem rechten Faden anfangen.
Mit der Fadenspannung muss man etwas aufpassen, wenn man zu fest zusammen zieht dann erscheint das Muster auf der Rückseite. Das allein ist eigentlich kein Problem, schwierig wird es nur wenn man mal leicht und dann wieder fest flechtet. Dann hat man das Muster abwechselnd hinten und vorne.
Ich bin mit meinen Versuchen und mit meinem Ergebnis sehr zufrieden. Die Flechte sieht aus wie die Zeichnung im Buch, ob es jetzt wirklich die “richtige” Technik ist kann ich aber natürlich nicht sagen. Auf jeden Fall werde ich mich jetzt die nächsten Abende hinsetzen und die Zierflechten aus naturgefärbter Wolle für den Trägerrock flechten. Fotos gibt es wenn ich damit fertig bin.








Mein Kompliment! Das ist toll gemacht!
Hey Flo,
bin durch Hallveigs Blog auf deine Zierflechte aufmerksam geworden und kann dir nur gratulieren! Da meine Freundin und ich auch grad nen Trägerrock nähen, würd ich das Flechtmuster gerne übernehmen, wenn du nichts dagegen hast.
Besonders das schöne ZickZack-Muster gefällt mir;-)
Gruß, Ingvar
Hallo!
Freut mich wenn es dir gefällt! Ich hab meine Versuche auch nur ins Internet gestellt damit sie anderen vielleicht nützlich sind. Also einfach losflechten
Grüße,
Flo
DAS nenne ich mal experimentelle Archäologie
gut gemacht. Insgesamt toller Blog!
Auch nach über einem Jahr ist dein Beitrag noch hilfreich. Ich habe das mit den Abnähern bisher wohl falsch verstanden und habe die Nähte mit Ziernähten versehen. Das sah zwar auch nicht schlecht aus, aber inzwischen hätte ich es gerne etwas authentischer. Danke für deine Anleitung und meine Anerkennung für deine Mühe.
Ach, kleine Frage noch: Wie ist die Flechtarbeit unten beendet (Troddeln?, umgeklappt?) und wie weit reicht sie am Rock nach unten?
Gruß, Ragnhild
Hallo Ragnhild,
ich habe die Zierflechten über die Nähte des Trägerrocks genäht, ich habe also auch keine zusätzliche Abnäher. Beim nächsten Trägerrock werde ich auch versuchen näher an der Fundlage zu bleiben. Die Flechten gehen auf jeden Fall von oben bis unten durch und sind mit der Saumkante zusammen umgenäht. Bilder gibt es im Beitrag Trägerrock ist fertig.
Grüße,
Flo